Installation Wellenkreis in Lugano


Interatives panorama der white cube installation “Wellenkreis” in Lugano, Schweiz.

Eigenstatement 2007 zur Eisenplastik „Wellenkreis“

Die erste Fassung mit einem Durchmesser von 5 m und einer Höhe von 12 cm und 123 gleichförmigen Schwingungen zeigt eine eiserne Sinuskurve in einem Kreis ohne Anfang und Ende.

Die aus der Geometrie bekannte Sinuskurve ist ein abstraktes Konstrukt, das auf der zweidimensionalen Fläche dargestellt wird. Im vorliegenden Kunstwerk ist sie dreidimensional und wird materialisiert als eine schwingende Linie im Raum aus schwarzblauem Eisen. Die Spuren des Feuers beim Schmieden sind noch spürbar. Der Sinuskreis in dieser Form ist mathematisch eigentlich unmöglich.
Die Sinuskurve ist nämlich keine fortlaufende Linie mehr, sondern eine in sich selbst zurückkehrende.

Der gezeichneten Linie auf Papier in der Geometrie entspricht als Plastik die eiserne Linie im freien Raum. Daher ist die Eisenplastik schwebend im Raum, etwas über Augenhöhe. Das Schweben wäre optimalerweise durch magnetische Felder zu erreichen. Es gibt der Plastik vollkommene Unabhängigkeit, es ist ein schwingender Kreis an sich.

Als solcher ist er eine Skulptur im Sinne des Worts, denn lateinisch “sculpere“ heißt schlagen und beim Schmieden wird heißes Eisen geschlagen.
Ganz im Sinne der Abstraktion verweist sie auf nichts außer sich selbst.

Man kann aber aufgrund des Motivs der Welle, des Kreises das Werk aber auch als eine Meditationsform sehen; klassisch zu erschließen durch kontemplatives Betrachten von Außen und vom Kreis Mittelpunkt aus. Beim Abschreiten kommt Bewegung hinzu, die Umgebung wird mit wahrgenommen. Die beste Präsentation ist freilich der ansonsten völlig leere weiße Raum, der klassische „white cube“. Dort erst gewinnt die Arbeit Ihre Absolutheit mit einer fast sakralen Wirkung. Es mag auch an Zen erinnern.

Rein begrifflich steht die Sinuskurve in ihrer Wiederholung als Welle für alle Wellen: physikalische, akustische, musikalische; aber auch die sichtbaren Wellen des Wassers; und im übertragenden Sinn die Sympathiewellen. Und in dem Sinne ist es sogar symbolisch zu verstehen als Zeichen für Gemeinschaft; eine starke Gesellschaft, man sagt ja, es sind alle auf einer Wellenlänge.

Insofern ist die Skulptur auch ein weithin sichtbares Zeichen, das über einem schwebt wie ein Motto, wie ein großes gemeinsames Ziel oder als Zeichen einer Haltung, einer speziellen Disposition zu den Dingen und zur Welt.

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